Oder wie wir ein Team wurden

Naumburg, Mai 2026. Es fühlte sich an wie eine Reise ans Ende der Welt: Ein ganzer Freitag ging komplett für die Anreise drauf. Kein Wunder, wenn die Teams aus allen Himmelsrichtungen anreisen. Nach München, Hamburg oder Berlin? Nein, nach Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt!

Das Ziel: die Deutschen Schulschachmeisterschaften der Mädchen im Euroville Jugend- und Sporthotel. Wir vom Humboldt-Gymnasium waren endlich mal wieder dabei! Okay, seien wir ehrlich: nur über einen Nachrückerplatz. Aber wir waren da!

Wir! Das sind: Marlene (EF), Medha (EF), Lorena (9.) Soneera (9.) und Flora (8.), begleitet von Herrn Köhler und Frau Hoffmann.
Schon auf der letzten Meile im Bus trafen wir auf die Konkurrenz. War das wirklich Konkurrenz? Bei einer durchschnittlichen DWZ (Deutsche Wertungszahl) der Top-Teams von utopischen 1568 – aufgestellt vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium aus Berlin, die später Vize-Meister wurden – bekamen wir riesigen Respekt. Unsere eigene Gruppen-DWZ lag schließlich gerade einmal bei 964, womit wir auf Startplatz 16 ins Rennen gingen. Das fünfköpfige Team aus Gifhorn (Gruppen-DWZ 1262) reiste sogar in personalisierten College-Jacken mit aufgedruckten Namen an – wenn das mal kein felsenfestes Selbstbewusstsein ist!

Im Jugendhotel, das aus fünf Gruppenhäusern besteht, bezogen wir unsere Unterkunft zusammen mit anderen Mannschaften. Erleichtert stellten wir fest: Unsere Zimmernachbarn vom Gymnasium aus Koblenz (Startplatz 18 mit einer Pseudo-DWZ von 800, da die meisten Mädels noch gar keine offizielle Wertung hatten) waren gedanklich ganz ähnlich drauf wie wir – also super sympathisch. Sie teilten nicht nur unseren Humor, sondern auch ihre frischen Früchte mit uns. Erst nachdem sie selbst genüsslich davon genascht hatten, waren wir absolut sicher: Das Obst im Gemeinschaftsraum war definitiv nicht vergiftet!
An diesen vier intensiven Tagen ist unglaublich viel passiert. Ganz nebenbei haben wir uns auf einen extrem respektablen Platz 12 von 18 vorgekämpft! Was wir aber vor allem mitgenommen haben: Aus fünf völlig unterschiedlichen Charakteren, die ins eiskalte Wasser geworfen wurden, wuchs eine felsenfeste, eigene Mannschaftsidentität.

Gänsehautfeeling pur

Dieses Turnier hat uns einiges abverlangt. Weil die stärksten Spielerinnen laut Reglement zwingend an den vorderen Brettern spielen müssen, war der Frust dort zeitweise riesig. Man verliert am laufenden Band gegen die Besten von Deutschlands Schulen (Spielerinnen mit DWZ Zahlen um die 1800).
Ein Spiel schien schon vor dem allerersten Zug komplett verloren. Und dann? Gewinnt Marlene doch tatsächlich an Brett 1 das scheinbar Unmögliche und holt damit ein Mannschafts-Remis. Als sie danach die Treppe hoch zum Gruppenraum kam, applaudierte das gesamte Haus für sie. Gänsehaut pur!
Genau so ein Moment spielte sich am Mittagstisch in der Kantine ab. Unsere jüngste Spielerin, Flora, die eigentlich als Ersatzspielerin eingeplant war, fuhr eiskalt die meisten Siege für uns ein! Mit insgesamt 3 Punkten aus 4 Spielen lieferte sie die beste Performance in unserer Einzelbewertung ab. Diesen Erfolg haben wir – völlig ungeachtet der irritierten Blicke von den Nachbartischen – lautstark im Team gefeiert. Hier zählte jede für alle! Aber auch die konstanten Leistungen von Medha, Lorena (die kein Spiel ausgelassen hat!) und Soneera sollen nicht unerwähnt bleiben.

Die Entscheidung des Herzens

Montagmorgen. Die Nerven lagen blank vor dem letzten Turnierspiel: Unserer Spielerin an Brett 1 ging es überhaupt nicht gut – sie fiel komplett aus. Was sollten wir tun?
Strategisch gab es eine ganz klare Option, die auch andere Mannschaften nutzten: Man lässt Brett 1 einfach unbesetzt und schenkt diesen Punkt kampflos her. Der Vorteil? Die nachfolgenden Spielerinnen müssen dadurch nicht aufrücken. Sie behalten ihre gewohnten Positionen und bekommen theoretisch leichtere Gegnerinnen an den hinteren Brettern.
Doch wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Wir wollten als echtes Team spielen, jede für jede einstehen und niemanden von uns symbolisch „aufgeben“. Wir haben das Herz über die Taktik gestellt, sind alle ein Brett nach vorn gerückt und haben gemeinsam gekämpft und tatsächlich auch noch ein Unentschieden geholt. Genau das hat uns als Mannschaft unschlagbar gemacht – völlig egal, was die Tabelle am Ende sagt.

Faktenkasten: Das Turnier und das „Schweizer System“

Und hier sind noch die Fakten zu den Deutschen Schulschachmeisterschaften der Mädchen 2026:
Es gab 18 Mädchen-Mannschaften von Schulen aus ganz Deutschland, die sich zuvor in ihren Bundesländern qualifiziert haben. Jedes Team bestand aus 4 Stammspielerinnen und einer Ersatzspielerin.
Das Turnier wurde in 7 Runden nach dem Schweizer System ausgetragen. Wie funktioniert das Schweizer System? Dieses System wird immer dann genutzt, wenn es zu viele Teilnehmer für den Modus „Jeder gegen Jeden“ gibt. Es spielen immer punktgleiche oder punktnahe Mannschaften gegeneinander. Wer gewinnt, bekommt in der nächsten Runde einen schwereren Gegner aus der oberen Tabellenzone. Wer verliert, spielt gegen ein Team, das ebenfalls verloren hat. Am Ende gibt es einen eindeutigen, verdienten Turniersieger.

Das Ergebnis

Unsere genauen Runden-Ergebnisse und Tabellen Details kannst du im Netz abrufen. Uns ging es im Nachhinein gar nicht primär um den Platz… aber okay: Beim nächsten Mal streben wir definitiv eine Platzierung unter den Top 10 an!

Willst du auch Gänsehautfeeling und echten Teamgeist spüren? Dann komm zu uns in die Schach-AG!

Marlene, EF